Teil 1 – Anstrengungen zur Wissensgesellschaft: Lotter unter Palmen

Die Wissensgesellschaft: Nun glaubt im Grundsatz jede und jeder, dass er oder sie weiß, was Industrie und was Wissen und daher auch die zusammengesetzten Begriffe mit Gesellschaft bedeuten. Vielleicht ist das so. Wolf Lotter hat mit seinem Buch „Strengt euch an!“ wieder einen Versuch unternommen, zu seinem Thema einen Beitrag zu leisten.  

 

Wissensgesellschaft: Lotter unter Palmen??

Zugegeben: Der Titel ist ein wenig irreführend. Und tatsächlich wird sich das im Laufe des Textes nicht weiter verbessern. Weil: Ich habe das 2021 von Wolf Lotter erschienene Buch „Strengt euch an – Warum sich Leistung wieder lohnen muss“ 2022 mit in den Urlaub genommen und dort gelesen. Das alles liegend unter Palmen. Mit anderen Worten: Sehr weit weg von Anstrengung und Leistung. Ein Antagonismus? Mitnichten! Als Beleg soll dieser Text gelten. Soweit zum Titel.

Wissensgesellschaft – Strengt euch an

Im Urlaub, in dem ich mich beim Schreiben dieses Textes noch immer befinde, konnte ich mir also Wolf Lotters Gedanken über Leistung „machen“. Mit den wedelnden Palmen über mir. Und wie immer das bei Lotter-Texten so ist: Ich kann das nicht einfach so rezitieren, nein, ich muss das Gelesene, sozusagen schwunggeholt immer gleich weiter-, zurück-, parallel- und wie auch immer denken. Das war bei seinen brand eins-Leitartikeln schon so. Weiter in seinen Büchern Innovation oder Zusammenhänge; oder eben auch nun im „Leistungsbuch“. Was das für den folgenden Text heißt: Es wird wieder keine klassische Rezension; es wird eher eine, in der Musik würde man sagen: Interpretation.

Und am besten wäre es sowieso, Sie, geneigter Leser, geneigte Leserin, würden, bevor Sie hier weiterlesen, erst noch meine Ausführungen zu Lotters „Zusammenhänge“ lesen. Warum? Weil sich nach meiner Meinung die Grundbotschaft bereits dort in diesem Buch befindet und weil es vielleicht für das Verständnis von „Strengt euch an“ recht hilfreich sein kann.

 

Vielleicht Industrie-, vielleicht Wissensgesellschaft? Was es nicht ist.

Vielleicht ist es sinnvoll, nochmals mit dem Grundgedanken zu starten, der Wolf Lotters Buch zugrunde liegt. Dieser handelt von der notwendigen und bereits stattfindenden Transformation unserer Gesellschaft von der Industrie- in die Wissensgesellschaft. Nun glaubt im Grundsatz jede und jeder, dass er oder sie weiß, was Industrie und was Wissen und daher auch die zusammengesetzten Begriffe mit Gesellschaft bedeuten. Vielleicht ist das so. Vielleicht aber auch nicht.

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Von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

Für den Fall, dass dem nicht (ganz) so ist, möchte ich mit Lotters Hilfe einen Versuch der Erklärung unternehmen. Beginnen wir damit, dass ich kurz beschreibe, was es NICHT ist. Die Industriegesellschaft zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie massenweise identische oder ähnliche Güter herstellt und erfolgreich auf Märkten unterbringt. Das ist die Industrie, das ist der reine Produktionsfokus. Die dahinterstehende und durch den Industrialismus geprägte Gesellschaft ist etwas anderes, etwas viel Weiterführendes.

Und in der gleichen Logik ist die Wissensgesellschaft zu sehen. Es ist nicht die Gesellschaft, deren Individuen den ganzen Tag Studien betreiben, Bücher lesen, im Netz recherchieren, in Clubräumen mit Gleichgesinnten diskutieren, akademisch im Kreis gehen, Dokumente erstellen und mit schlauen Beiträgen Clouds und Plattformen befüllen. Das könnte eine Facette sein, die aber nicht, nicht einmal im Geringsten den Begriff „Wissensgesellschaft“ abdeckt.

 

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Von der Industriegesellschaft … – und was das mit Leistung zu tun hat!

Also stellt sich jetzt die Frage: Was ist dann die Industrie- oder eben die Wissensgesellschaft?

Die sich damals entwickelnde Industriegesellschaft hat prinzipiell Karl Marx am treffendsten mit seinen vier bekannten Entfremdungskategorien beschrieben:

Erstens die Entfremdung des Menschen vom Produkt. Das heißt: Der Mensch hat keinerlei Bezug mehr zum (End-)Produkt seiner Arbeit.

Zweitens die Entfremdung des Menschen vom Prozess der Arbeit. Das heißt: Der Mensch hat keinen Bezug mehr zur Arbeit in Form der Erfüllung eines ihn motivierenden Bedürfnisses.

Drittens die Entfremdung des Menschen von sich selbst. Das heißt: Der Mensch erbringt eine Leistung, die gar nicht in seiner Natur liegt.

Und viertens die Entfremdung des Menschen von seinen Mitmenschen. Das heißt: Der Mensch verliert letztendlich auch den Blick für soziale Zusammenhänge. Hier sind wir beim Begriff der Gesellschaft angelangt.

Charlie Chaplin hat dies sehr eindrucksvoll in seinem Film „Moderne Zeiten“ vor Augen geführt. Der Mensch, reduziert auf das, was man ihm sagt, was er dann macht und dafür dann entlohnt wird. Und das reicht dann auch. Der Rest ist ein bisschen Wurst, wie man in Bayern und Österreich gerne sagt.

Auch wenn im Laufe der Jahrzehnte sich an vielen Stellen enorme Verbesserungen eingestellt haben, wie immer geringer werdende Arbeitszeiten, immer bessere Entlohnungen (S. 114) und damit Markus Reimer Redner Speaker Keynote Vortrag Zukunft Qualität Innovation Nachhaltigkeit Digitalisierung Agilität Wisseneinhergehender steigender Wohlstand für sehr Viele, so bleibt dennoch die Grundfunktionsweise der Industriegesellschaft die gleiche: Jemand sagt als „Vorgesetzter“, wo es langgeht und der Rest als „Mitarbeiter“ geht genau da dann lang. Dann sind alle fleißig und strengen sich an, das, was die Vorgesetzten gerne haben möchten, auch zu erreichen. Man muss sich um das Ganze nicht (mehr) kümmern – und will es auch nicht! Das ist der Grundgedanke der Industriegesellschaft, inklusive Fleiß und Anstrengung, also im herkömmlichen Verständnis: Leistung.

Das Problem: „Die Zeiten, in denen es sogenannte Vorgesetzte gab, die ihre „Mitarbeiter“ nur mitarbeiten ließen, also zu Hilfsarbeitern degradierten, die nur ausführen sollten, wozu der Chef selber nicht kam, sind vorbei.“ (S. 96). Das bedeutet nichts anderes als: Das ist das Ende der Industriegesellschaft; damit auch das Ende der bekannten Anstrengung, des bekannten Fleißes, der Leistung. Und jetzt?

Fortsetzung Teil 2.

 

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