Befehl und Gehorsam – Wie Führung funktioniert

„Los!“ kann man erst dann als Devise vorgeben, wenn man weiß, wohin man loslaufen soll. Aus diesem Grund – und das ist wirklich eine Binsenweisheit – brauchen Sie ein Ziel. Das ist vor allem die Aufgabe der Führung. Auch das ist eine Binsenweisheit.

 

Los!!!

Wie mittlerweile hinlänglich bekannt, habe ich viele Jahre als Offizier in der Bundeswehr gedient. Als solcher durfte ich einiges Schräges erleben – in der Hauptsache habe ich von allem anderen profitiert und ich profitiere noch heute davon.

Wovon ich nicht profitiere? Zum Beispiel von folgender Situation: Meine Kameraden und ich waren auf einer mehrtägigen Durchschlageübung (man marschiert mit einem Auftrag unter simulierten Gefechtsbedingungen von A nach B). Irgendwann in der Nacht waren wir an unserem Ziel angekommen und wir richteten unser „Gruppennest“ ein. Da plötzlich stürmt ein Ausbilder zu uns und schreit: „Los!!!“ Wir blickten ihn etwas verständnislos an und einer meiner Kameraden meinte: „Wie? Los?“ Und die Antwort war: „Loooos! Los jetzt!“ Und er rauschte von dannen. Mein Kamerad: „Jawoll! Los!“

Was das „Los“ von damals bedeutet hat, wissen wir, weiß ich bis heute nicht.

Und doch begegnet einem dieses „Los“ nach wie vor in der Praxis – weit jenseits des Militärs. Wie oft wird „los“gestartet, ohne dass man weiß, wohin? Es gibt kein klares Ziel, aber wir legen schon mal los. Gerne sagt man dazu „Blinder Aktionismus“. Es ist eben was „Aktives“, also irgendwie besser als was „Passives“. Also dann mal „los!“

 

Das bessere „Los“: Das Befehlsschema

Die Bundeswehr liefert entgegen dem „Los“-Ausbilder ein bewährtes und nach wie vor sehr praktikables Schema, welches es abzuarbeiten gilt. Und das macht bei weitem nicht nur im militärischen, sondern eben auch im wirtschaftlichen, politischen oder auch gesellschaftlichen Kontext sehr viel Sinn. Es besteht aus fünf aufeinander folgenden Schritten, die es systematisch zu durchlaufen gilt.

 

Vielleicht ist es dem einen oder andern Leser aus seiner Militärzeit noch bekannt:

Lage – Auftrag – Durchführung – Einsatzunterstützung – Führungsunterstützung.

Fertig.

Hier steckt alles drin, um einen Auftrag nach bestem Wissen zu erfüllen. Was heißt das konkret?

 

Führung in der #Lage – Schritt 1

Das Erste, was es immer zu betrachten gilt, ist die Lage, die Situation, der Kontext. Nicht die Frage, wann es endlich los geht, steht am Anfang, sondern viel mehr, was eigentlich los ist. Und hier gilt es nach außen und nach innen zu schauen.

Um gleich in die Marktsituation überzugehen: Angenommen, Sie sind Kugelfischhändler. Es wird, es muss Sie interessieren, wie sich der derzeitige und der wohl zukünftige Kugelfischmarkt darstellt und entwickelt. Kann es sein, dass der Markt sich durch die veränderten Anforderungen der Kunden vegetarisch entwickelt? Oder in Richtung Dessert? Es wird, es muss Sie interessierten, wie Ihr Wettbewerber auf diesem Markt agiert. Wie stark ist er, wo ist er und bietet er vielleicht schon Kugelfischpudding an?

Und dann stellt sich die Frage, wie Sie aufgestellt sind. Sind Sie auf das vorbereitet, was sich auf dem Markt tut und abzeichnet? Was sind Ihre Stärken, aber auch Ihre Schwächen? Haben Sie vielleicht eine Kugelfischkleie entwickelt, von der noch niemand weiß, dass Sie sie haben, aber der Markt wahrscheinlich genau darauf wartet? Ihre Geheimwaffe sozusagen. Diese saubere Betrachtung ist Aufgabe der Führung.

All das gilt es zu sondieren, um zu einem Ergebnis zu kommen. Das Ergebnis ist ein Auftrag, ein Ziel. Was genau wollen Sie nun tun? Und das können Sie nur dann entscheiden, wenn dieser erste Schritt mit der notwendigen Sorgfalt vollbracht ist.

 

Führung mit #Auftrag – Schritt 2

„Los!“ kann man erst dann als Devise vorgeben, wenn man weiß, wohin man loslaufen soll. Aus diesem Grund – und das ist wirklich eine Binsenweisheit – brauchen Sie ein Ziel. Was genau wollen Sie? Wollen Sie der schnellste, beste oder lustigste Kugelfischkleieanbieter werden – oder nicht? Oder wollen Sie die neue Nachfrage mit vegetarischem Kugelfischbrausepulver bedienen? Wollen Sie direkt in die Konfrontation mit dem Wettbewerber gehen? Wie wollen Sie sich positionieren? Formulieren Sie am besten den Auftrag, das Ziel kurz, knapp, prägnant und verständlich – und das nicht alleine! Nehmen Sie Ihre Leute mit. Das ist Führung!

Das ist auch sicher der wesentliche Unterschied zum Militär. Dort braucht es nicht unbedingt ein Commitment. Hier gilt ein hierarchisch fundiertes Befehl-und-Gehorsam-Prinzip. Auf Märkten kommt man damit nicht weit. Jedoch: Auch im Militär ist in diesem Zusammenhang etwas von entscheidender Bedeutung: Vertrauen. Ich muss darauf vertrauen können, dass der Vorgesetzte weiß was er tut.

Zurück zum Unternehmen: Es ist wichtig, dass alle im und am Unternehmen Mitarbeitenden verstehen und sich einig sind, um was es geht und wohin es gehen soll. Nur so kann im Sinne des Ganzen agiert werden. Vor allem auf der alles entscheidenden operativen Ebene. Dort wird der Kugelfisch verkauft, dort werden die Tendenzen, Entwicklungen, Herausforderungen am schnellsten erkannt. Dort muss agiert und reagiert werden. Die Führung hat genau das zu gewährleisten.

 

Führung in der #DurchFührung – Schritt 3

Jetzt geht´s los! Die Lage ist im Rahmen der Möglichkeiten sondiert. Aus diesen Rahmenbedingungen abgeleitet steht der Auftrag, das Ziel nun fest. Jetzt geht es an die Durchführung. Hier gilt es das Notwendige festzulegen.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten.

Sie können alles bis ins kleinste Detail festlegen. Das können Sie bis dahin machen, dass jedes Kugelfisch-Verkaufsgespräch nach einem bestimmten Schema festgelegt ist. Ein Beispiel? Sie legen fest, wie der Kugelfischverkäufer den Kunden zu begrüßen hat. Ausnahmen davon gibt es keine. Natürlich ist dann auch alles Weitere festgelegt. Gut dabei ist, dass Sie grundsätzlich die Kontrolle darüber haben, wie was in Ihrem Unternehmen zu laufen hat. Führung ist Führung und führt. Schlecht dabei ist – eigentlich alles.

Die andere Möglichkeit ist es, die Rollen und Befugnisse der Mitarbeitenden auf den Unternehmenszweck auszurichten und diese dann frei agieren zu lassen. Es wird also nicht mehr festgelegt, wie genau etwas zu laufen hat, sondern wer wie frei entscheiden kann, um im Sinne der gesamten Organisation handeln zu können. Gut dabei ist, dass Sie davon ausgehen können, dass Ihre Leute am Markt flexibel, dynamisch und schnell agieren und reagieren können. Führung als Dienstleister und Ermöglicher. Schlecht dabei ist – eigentlich nichts.

 

Führung in der #Einsatzunterstützung – Schritt 4

Sofern Sie in der Kugelfischbranche den Ihnen zustehenden Platz erreichen wollen, brauchen Sie nicht nur Ihre dynamischen, handlungs- und entscheidungsfreudigen Mitarbeitenden, sondern Sie brauchen auch Strukturen, Materialien oder kurz gesagt: Ressourcen. Es ist Aufgabe der Führung als Dienstleister die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Wer braucht was, wann und wo? Einfach nur Kugelfische zum Verkauf bereitzustellen reicht nicht.

Wie oft erlebt man es, dass genau hier nicht zu Ende gedacht wird. Ressourcen? Das muss auch so funktionieren! Vielleicht auch noch: Früher ging das auch! Also: Los!

Führung als Dienstleister, als Ermöglicher bedeutet sich auch um das zu kümmern, was benötigt wird. Was es im Militärischen bedeutet, nicht über die notwendigen Ressourcen zu verfügen, ist hinlänglich bekannt – auch ohne militärhistorische Kenntnisse.

 

Führung als #Führungsunterstützung – Schritt 5

Die letzte, aber genauso wichtige Aufgabe ist es, dass Sie die notwendigen Informationen fließen lassen. Wer braucht welche Informationen? Wie können Informationen von unten nach oben, oder von links nach rechts oder umgekehrt, oder von innen nach außen oder von außen nach innen weitergegeben werden? Wer informiert wen? Über was? Und eben wie?

Auch hier weiß man, dass es im militärischen Kontext schon immer von entscheidender Bedeutung war, schnellstmöglich an Informationen zu kommen; unabhängig von der Richtung. Und auf volatilen Märkten ist das nicht anders. Es gilt Regeln aufzustellen und Strukturen dafür zu schaffen, so dass Sie als Organisation immer wissen woran Sie gerade sind. Das ist einfach gesagt und geschrieben; in der Praxis zeigt sich dies sehr oft als enorme Herausforderung. Nicht nur in der Kugelfischbranche.

 

Der Befehl – die bessere Führung

Auch wenn das Prinzip von Befehl und Gehorsam sich beim Militär bewährt hat und wahrscheinlich auch immer bewähren wird, so wird dieses in Organisationen, die sich in und auf Märkten bewegen, nur geringe Erfolgsaussichten haben. Es ist nicht ausgeschlossen und es gibt sicher auch „positive“ Beispiele dafür. Verlassen sollten Sie sich darauf aber nicht.

Dass jedoch das Befehlsschema  in seinen fünf logischen Schritten und den hier angesprochenen Modifizierungen mehr als erfolgversprechend ist, steht sicher außer Frage. Der Gestaltungsspielraum innerhalb der fünf Schritte sollte dabei maximal genutzt werden. Sie sollten aber keinen der Schritte leichtfertig übergehen. Wie Sie diese dann ausfüllen, das bleibt Ihnen überlassen. Dann und erst dann können Sie allen zurufen: Los!

 

Hier haben Sie die Möglichkeit, mit Dr. Markus Reimer Kontakt aufzunehmen.

Hier finden Sie Vortragsausschnitte von Dr. Markus Reimer.