Das Stakeholder Konglomerat – Fünf Fazits

Stakeholder Mitarbeitende: Zum einen ist das Problem, dass Mitarbeitende, die als Humankapital verstanden werden, genau so nicht gerne verstanden werden wollen – und gehen. Zum anderen ist das Problem, dass genau diese – dann ehemaligen oder bald ehemaligen – Mitarbeitenden mehr unbewusst als bewusst dafür sorgen, dass (zu) viele um das mangelnde Interesse an den Interessen der Mitarbeitenden wissen. Die Folge: Die einen gehen, die anderen kommen erst gar nicht.

 

Der Stakeholder und sein Interesse

Hat ein Mensch oder eine Organisation kein Interesse, und zwar gar kein Interesse an dem, was Sie so machen, dann können Sie sicher sein, dass es sich hierbei um keinen Stakeholder handelt. Das ist soweit banal. Denn ein Stakeholder hat Interesse, mittel- oder unmittelbar, und das macht ihn zum Stakeholder. Er hat aber keines, also ist diese Sache an der Stelle fertig. Das muss Sie nicht weiter interessieren.

Nun kann es aber sein, dass ein Mensch oder eine Organisation sehr wohl, wenn auch nur ein sehr kleines, aber immerhin doch ein gewisses Interesse hat an dem, was Sie so machen, dann können Sie ziemlich sicher sein, dass es sich hierbei um einen Stakeholder handelt. Das ist auch banal. Ein Stakeholder hat Interesse und Punkt. Jedoch kann es sein, dass Sie dieses Interesse wenig bis gar nicht wahrnehmen. Das ist dann ein Problem, denn das Interesse muss Sie interessieren. Ansonsten haben Sie vielleicht innerhalb kürzester Zeit einen Hambacher Forst, und Sie wissen gar nicht so recht, wie es dazu kam und wie Sie wieder heil aus dieser Nummer herauskommen könnten.

Die dritte Variante ist: Ihr Stakeholder hat Interesse und Sie wissen das auch und deswegen interessiert sie auch das Interesse des Stakeholders. So können Sie agieren oder gegebenenfalls reagieren – möglicherweise im Sinne des Stakeholders. Das kommt dann ganz darauf an.

Lassen Sie uns das mal näher anschauen.

 

Der Kunde ist der König der Stakeholder!?

Zunächst könnte man das Ausrufezeichen alleine so stehen lassen. Der Kunde ist nicht nur König der Stakeholder: Er ist überhaupt der König der Könige. Denn ohne ihn gibt es keine Geschäfte. Niemand kommt zu Ihnen und will etwas, wenn es den Kunden – oder den, der die Leistung in Anspruch nimmt – nicht gäbe.

Doch halt: So einfach ist das nicht. Denn wenn wir nun im Hambacher Forst kurz verbleiben, dann bringen gerade „Nicht-Kunden“ dem Energielieferanten die meisten Probleme. Der König der Stakeholder scheint hier nicht mehr der Kunde zu sein, sondern der – nennen wir ihn – Klimaaktivist. Dieser schreitet voran in den Wald, kettet sich an einen Baum und lässt sich dabei filmen. So wird in die Welt hinausgetragen, dass der Energielieferant ein Umweltsünder ist; und alle genehmigenden Politiker gleich mit! Vielleicht, und das scheint nicht abwegig, ist der eine oder andere Klimaaktivist zuhause Stromkunde des Energielieferanten. Wer weiß? Aber in diesem Zusammenhang tut dies nichts mehr zur Sache. Die Stakeholder-Interessen haben sich gewandelt und verlagert.

Stakeholderfazit 1: Der Kunde ist grundsätzlich Stakeholder Nummer Eins, denn ohne sein Interesse und ohne seine Leistungsinanspruchnahme bräuchte es die eigene Organisation nicht.

Stakeholferfazit 2: Bei einer entsprechenden medialen Präsenz, können die Themen, die Interessenslagen kippen! Der Stromkunde als Stakeholder zuhause wird zum Klimaaktivisten als Stakeholder in der Öffentlichkeit.

 

Die Mitarbeitenden als Humankapital?

Es kommt meistens darauf an: Auf die Mitarbeitenden!

Egal um was es geht: Mitarbeitende werden immer irgendwie davon betroffen sein, was das eigene Unternehmen macht, vorhat oder gemacht hat. Insofern besteht immer ein berechtigtes Interesse der Mitarbeitenden – sie sind Stakeholder. Als Organisation haben Sie also darauf zu achten, dass die Interessen berücksichtigt werden. Andernfalls könnte es das mit Mitarbeitenden gewesen sein. Ist das banal? Das ist es ganz sicher! Und dennoch scheint genau das ein Problem sein.

Eigentlich ist es nicht nur ein, es sind sogar zwei Probleme!

Zum einen ist das Problem, dass Mitarbeitende, die als Humankapital verstanden werden, genau so nicht gerne verstanden werden wollen – und gehen. Zum anderen ist das Problem, dass genau diese – dann ehemaligen oder bald ehemaligen – Mitarbeitenden mehr unbewusst als bewusst dafür sorgen, dass (zu) viele um das mangelnde Interesse an den Interessen der Mitarbeitenden wissen. Die Folge: Die einen gehen, die anderen kommen erst gar nicht.

Stakeholderfazit 3: Es kann sein, dass Mitarbeitende als Stakeholder Nummer Eins gesehen werden müssen – sie sind es in der Regel, die am wettbewerbsreichen Markt die eigene Leistung erfolgreich platzieren und erbringen wollen und dürfen. Das klappt nicht als „Humankapital“.

 

All die anderen … ein Konglomerat

Das Entscheidende ist das Interesse. Wer hat an dem, was wir machen, Interesse? Oder wer könnte eventuell Interesse haben? Gibt es Betroffene? Wer spielt eine Rolle oder könnte eine Rolle spielen? Gibt es Gegner? Wer ist dafür? Diese Fragen müssen systematisch und akribisch beantwortet werden.

Angenommen Sie wollen Kugelfische in Aspik herstellen und vertreiben? Wer liefert Ihnen den Kugelfisch, wer das Aspikpulver? Könnten Ihre Mitarbeitenden gegen Aspik sein, weil Sie bisher nur Kleie verkauft haben? Könnte es eine breite Front gegen Aspik geben? Oder gegen Kugelfischfangflotten? Wer profitiert von Ihrem Kugelfisch-Aspik? Wer leistet die Anschubfinanzierung? Oder die Frage: Gibt es überhaupt Interessenten für Kugelfisch in Aspik? Und was sagt der Kugelfisch selbst dazu?

Sodann gilt es die zum Teil konträren Interessen der Stakeholder zu bewerten und gegenseitig abzuwägen. Denn: Alle Interessen werden nie berücksichtigt werden können. Was wiegt schwerer? Das gilt es abzuwägen und wie wir alle wissen, haben sich hier schon so manche Unternehmen mächtig verhoben.

Stakeholderfazit 4: Es gibt sehr viele Stakeholder und es wäre besser, wenn man keinen davon vergisst zu berücksichtigen. Zumindest im ersten Schritt.

Stakeholderfazit 5: Es gilt nun die Stakeholder-Interessen genau zu identifizieren, zu bewerten und gegenseitig abzugleichen. Dabei werden/können schwierige Entscheidungen notwendig sein.

 

Stakeholder-Gesamtfazit

Jede Organisation hat sich genau mit diesem Thema zu beschäftigen. Tut sie das nicht, kann ihr das mit gravierenden Folgen auf die Füße fallen. Es wäre nicht das erste Mal in der Wirtschaftsgeschichte, dass genau das passiert. Oder wenn wir einen Blick in unsere derzeitige politische Landschaft werfen: Ob hier die notwendigen Stakeholder identifiziert, bewertet und in Abwägung gebracht worden sind? Man mag es nicht glauben.

Ob es nun um Innovation geht: Stakeholder-Interessen sind von größter Bedeutung!

Ob es um Agilität geht: Eine Organisation kann nur agil werden/sein, wenn sie ihre Interessenspartner und deren Erwartungen und Bedürfnisse kennt.

Oder ob es um Qualität geht: Ob nun ISO 9001, ISO 9004 oder EFQM – stets ist der Ausgangspunkt für jedes Modell die Analyse der interessierten Parteien.

Und dennoch stellt man in der Praxis immer wieder fest: Das Interesse am Interesse der interessierten Parteien ist interessanter Weise geprägt von Desinteresse.

 

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