2019 messen, analysieren, verbessern

Ob 2019 ein gutes oder ein schlechtes Jahr war, das hängt vor allem davon ab, was man sich 2018 vorgenommen hat – und ob man ehrlich ist. 

 

2019 einfach messen …

Das Jahr ist praktisch rum und wir könnten fragen, wie es denn so war, dieses Jahr. Und viele Menschen fragen sich das ja auch. Doch woran wollen wir es festmachen? Mit anderen Worten: Wie wollen wir messen, wie gut oder eben nicht so gut das Jahr war?

In den Unternehmenslandschaften kennt man das berühmte Peter-Drucker-Zitat: „If you can`t measure it, you can´t manage it.“ Insofern ist es nur recht und gut, alles zu messen, was nur gemessen werden kann. Um es dann eben managen zu können. Und alle, die sich im Management befinden – und das sind mehr als man meint – müssen managen. Sonst wären sie ja keine Manager und Managerinnen. Das ist so spannend wie an dieser Stelle auch egal. Irgendwie.

Ein guter Zeitpunkt zum Messen ist traditionell eben eine kalendarische Zäsur: Monats-, Quartals- oder gleich Jahresende. Alle drei Zäsuren stehen jetzt gerade am Ende des Jahres 2019 unmittelbar bevor. Da lässt sich so ein zurückliegendes Jahr richtig gut messen. Irgendwie.

 

… in Unternehmen

Doch was genau soll man nun eigentlich messen?

In Unternehmen ist der Umsatz immer eine sehr gute Mess-Kategorie. Dieser lässt sich sehr schnell sowohl in brutto, als auch in netto aufsummieren. Das ist ein guter Wert, der sich grundsätzlich auch ganz gut liest. Aber so ganz aussagekräftig ist er halt doch nicht. Denn blickt man beispielsweise in eine BWA, so stechen sehr schnell die Ausgaben ins Auge, die die positiven Umsatzzahlen oft schwer mitnehmen. Insofern ist es immer wieder faszinierend, dass der Umsatz eine so große Rolle als Ziel spielt, wenn es um Messungen geht. Dass man Umsatz auch „einkaufen“ kann, wird oft wenig bis nicht berücksichtigt. Lange geht das meistens nicht gut. Erst recht nicht, wenn dann die Steuerbehörde ihre Berechnungen vorlegt und Konsequenzen sehen, bzw. überwiesen haben will.

Sehr interessant war auch ein mir als Auditor für Managementsysteme vorgetragenes Ziel eines Unternehmers: Der Bau einer Tiefgarage. Das wars. Das lässt sich auch ziemlich gut messen. Tiefgarage da: Gut. Tiefgarage nicht da: Nicht gut. Inwieweit das eine Aussagekraft als Gesamtergebnis für das Unternehmen hat? Keine Ahnung.

 

… im Privaten

Aber auch privat ist es so eine Sache: Mehr Sport! Das war das Ziel in 2019. (Meines nicht!) Und woran messen wir jetzt, dass wir „mehr Sport“ gemacht haben? Ein „mehr“ setzt zunächst einmal voraus, dass wir eine Ahnung davon haben, von wo aus wir starten. Sonst wird ein „mehr“ schwierig“. Und vielleicht können wir dann feststellen, dass wir das „mehr“ erreicht haben: Wir haben in 2018 so viel Sport betrieben wie eine handelsübliche Seegurke. Und in 2019 haben wir im Stadtpark einmal für fünfzehn Minuten Tischtennis gespielt. Das ist mehr, als eine Seegurke in ihrem ganzen Leben Sport macht. Mit einem anderen Wort: Mehr! Läuft!

Oder mehr Kultur? Oder bewusstere Ernährung? Oder mehr Zeit für den Partner oder die Partnerin? Oder … ?

 

… in der Politik

Vielleicht ist es in der Politik am einfachsten gemessen zu werden oder sich selbst zu messen. Nehmen wir die ganzen Parteiprogramme, die Koalitionsverträge oder die Neujahrsansprachen. Dort werden Ziele formuliert, Versprechungen gemacht und große Projekte in Aussicht gestellt – und das nachweislich dokumentiert! In der ZDF-Politsendung „Berlin direkt“ vom 22.12.2019 wurden die Versprechungen und Ankündigungen in der letztjährigen Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin mit der stattgefundenen Realität abgeglichen.

Nun ja, es war kein kompletter Reinfall; aber dieser war nicht weit entfernt. Planungen waren die Steigerung der Mittel für Humanitäre Hilfe, für Entwicklungshilfe, für Verteidigung. Die Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse mit gleichem Zugang zu Bildung, Wohnraum und Gesundheitsversorgung. Und so weiter und so fort. Der Abgleich zwischen Versprechung und Realität zeigte wiederum das Seegurken-Niveau: Zwar wurde „mehr“ erreicht, aber überzeugend sieht anders aus.

Wir müssen also präziser werden.

 

2019 richtig messen

Was also messen?

An dieser Stelle möchte ich immer und immer wieder auf die Idee und das Konzept der Balanced Scorecard von Kaplan und Norton verweisen. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler hatten schon in den 90ern mit Vehemenz darauf hingewiesen, dass der nachhaltige Erfolg von Organisationen von mindestens vier Perspektiven abhängt. Dabei ist und bleibt eine zentrale Perspektive das Geld; natürlich inklusive Umsatz. Mit Recht. Aber es gibt auch noch die Perspektive der Kunden, der Mitarbeitenden und der internen Prozesse. Und diese vier Perspektiven gilt es mindestens mit Zielen zu versehen und dann zu messen.

Was ist der Umkehrschluss? Es wird der Umsatz gemessen; vielleicht sogar der Gewinn. Und alles ist bestens. Aber wenn Kunden und Mitarbeitende sich in einer wie auch immer gearteten Bewertungsskala ganz weit unten oder hinten befinden, dann weiß man ohne Hellseherei, dass der Gewinn in der nächsten Zeitperiode einbrechen wird. Es ist eine logische Konsequenz.

Keine Kunden: Kein Gewinn.

Keine Mitarbeitenden: Keine Kunden: Wieder kein Gewinn.

Keine guten Prozesse: Keine Mitarbeitenden: Keine Kunden: Nochmal kein Gewinn.

Es gilt also die richtigen Perspektiven für die eigene Organisation zu finden, um am Ende des Jahres – und zwar spätestens da! -, messen und bewerten zu können.

Und das gilt auch im Privaten. Sehr oft wird von der Work-Life-Balance gesprochen. Obwohl ich den Begriff an sich von jeher schräg finde, so drückt er dennoch aus, dass es mindestens zwei Perspektiven zu berücksichtigen gilt: Das Geld verdienen und das Leben leben. Wobei das den Gedanken voraussetzt, dass man beim Arbeiten nicht lebt. Wie gesagt: Schräg.

Zusammenfassend gilt es festzuhalten: Richtig messen, bedeutet vor allem valide zu sein; sich der Frage zu stellen: Messen wir das, was wir eigentlich messen wollen? Erst wenn das gegeben ist, kann analysiert werden.

 

2019 analysieren …

Es könnte sein, dass Umsatz und Gewinn stimmen. Man könnte damit zufrieden sein. Es wäre aber noch besser, nicht nur zufrieden zu sein, sondern auch nachzuhaken, warum es dazu gekommen ist. Eine mögliche Antwort wäre ein konjunktureller Höhenflug; so wie ihn die Baubranche schon seit einiger Zeit erlebt. Der Erfolg eines Bauunternehmens hat derzeit nicht zwingend mit der ausgezeichneten Leistungsfähigkeit des Bauunternehmens zu tun. Das seit vielen Jahren etablierte niedrige Zinsniveau führt dazu, dass Menschen versuchen, irgendwie ihr Geld sinnvoll loszuwerden – und eine ganze Branche hebt geradezu ab.

Es gilt jedoch genau an dieser Stelle zu analysieren, ob der 2019 eingetretene Erfolg unmittelbar mit dem eigenen Unternehmen oder eben vor allem mit den Rahmenbedingungen zu tun hat.

Ein Blick auf die eigenen Prozesse, auf die Zufriedenheit der Kunden und oder die Mitarbeiterfluktuation kann hier schnell Aufschluss geben.

 

2019 analysieren … aber richtig! 

Was ist dafür notwendig?

Um eine saubere Analyse durchführen zu können, muss ein Soll-Ist-Vergleich machbar sein. Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber dennoch ist sehr oft dieser Soll-Ist-Vergleich nicht möglich, weil es zum Beispiel für das Jahr 2019 kein Soll – außer Umsatz und oder Gewinn – gegeben hat. Und dann ist mal schnell alles gut, oder schlecht oder irgendwas.

Dann gilt es die Faktoren für das Gut oder Schlecht oder Irgendwas zu finden. Und auch hier werden sehr oft ganz schnell Erklärungen gefunden: Keine Zeit, andere Voraussetzungen, andere Prioritäten und so weiter. Das ist sehr oft keine Analyse, sondern die Suche nach Rechtfertigungen. Die Suche und das Finden von Schuldigen und das Herausstellen von Unschuldigen bringt aber in der Analyse von Messergebnissen weniger als wenig. Es ist – zumeist – überflüssig zu bestimmen, wer von allen Beteiligten die Seegurke ist oder sein soll oder dazu bestimmt wird.

Im Privaten kann es auch viele gute Gründe geben: Man hatte einfach keine Zeit Sport zu machen. Möglich. Oder es war die Bequemlichkeit. Das wäre auch eine Möglichkeit.

Oder in der Politik: Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Vielleicht. Es könnte aber auch sein, dass unpopuläre Entscheidungen notwendig gewesen wären, die die Wiederwahl gefährdet hätten. Könnte auch sein.

Der einfache Tipp bei der Analyse der Messergebnisse: Ehrlich sein! Und aus mehreren Perspektiven die Ergebnisse betrachten! Sonst kann man sich Messen und Analysieren komplett schenken.

 

2019 – Die Verbesserung

Warum soll man diesen ganzen Aufwand eigentlich betreiben?

Natürlich um sich zu verbessern. Sich auf den Weg zum immer Besseren zu machen. Und dazu brauche ich Leitplanken und Richtungen.

Und wie können wir nun 2019 verbessern?
Gar nicht.

Es ist ja vorbei.

Aber wir können für 2020 uns Gedanken machen, wie es denn werden soll. Und gleich hinterher: Woran wir uns messen können oder auch messen lassen können. Das kann sich natürlich im Laufe des Jahres 2020 ändern; dann müssen wir das aber bewusst machen. Flexibilität bedeutet nicht Willkür. Die Alternative dazu wäre sonst wieder nur: Rahmenbedingungen, Voraussetzungen, Prioritäten etc. – ging alles nicht.

Verbesserung setzt voraus, dass ich weiß, wohin ich eigentlich will. Die niedrigste Stufe der Verbesserung ist das Halten des bisherigen Niveaus, aber dafür mit weniger Aufwand. Aber auch dazu muss ich wissen, was ich eigentlich halten will. So gesehen: Ein Ziel ist immer vorhanden – bewusst oder unbewusst.

Dass Sie, werter Leser und werte Leserin, das wissen und dabei Erfolg haben, dorthin zu gelangen, das wünsche ich Ihnen und ich drücke Ihnen die Daumen dazu! Sie hatten hoffentlich ein tolles 2019 und freuen sich auf ein mindestens so tolles 2020.

Alles Gute Ihnen allen und vielen herzlichen Dank für Ihre Treue!

Ihr Markus Reimer

 

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