Lern von Steve!

„Von welchem Steve sollen wir was lernen?“ – Diese Frage werden Sie sich vermutlich nicht stellen – und vergessen dabei, dass auch andere Steves ihre Jobs richtig gut machen! Einen davon will ich Ihnen heute vorstellen. Und von diesem Steve können wir alle Einiges lernen. Zum Beispiel niemals aufzugeben, an sich zu glauben; Chancen zu nutzen; jung zu bleiben und erst mit über 60 richtig durchzustarten; ein außerordentliches Branding für sich zu schaffen und zur Marke zu werden; aus nahezu allem etwas Konstruktives zu machen, was die Menschen begeistert. Das alles kann man von Steve lernen.

Steve hatte, wie man oft so einfach sagt, keine schöne Kindheit. Auch seine Jugendzeit war nicht die, die man sich als Jugendlicher idealerweise wünscht. Mit Gelegenheitsjobs hier und da hielt er sich als Wanderarbeiter über Wasser. Das Gefängnis war wohl des Öfteren der Ort von Zwischenstopps in seinem Leben.

Was er dabei niemals aufgab, das war seine Liebe zur Musik und vor allem zum Gitarrenspiel. Und so landete er in seinem Leben auch immer wieder als unterstützender Studiomusiker im Musik-Business: die ersten Schritte zum Ausleben seiner Passion. Erst mit über 60 Jahren schaffte er es, ein eigenes Album aufzunehmen. Aber seine Chance nutzte er dann mit drei Titeln, die er 2006 in einer britischen Silvestershow  spielen durfte: Steve war zu diesem Zeitpunkt bereits 65 Jahre alt.

Heute ist Steve eine richtig große Nummer: Er tritt mit 75 Jahren auf riesigen Festivals auf und zieht die Zuhörer in seinen Bann. Als Wanderarbeiter, meist mit John-Deere-Kappe, Blaumann, Unterhemd, zerrissenen Hosen, kaputten Schuhen tritt er auf vor tausenden von Fans, die ihm zujubeln.  Er tritt nicht nur mit einer einfachen Gitarre auf – er bringt gleich eine ganze Werkstatt mit auf die Bühne. Aus allem, was er wohl so in seinem Garten oder auch bei Nachbarn findet: Radkappen, Bierdosen, Waschbretter, Besenstile, etc.  baut er … innovative Gitarren – oder zumindest so was Ähnliches. Und so finden sich in seiner Art Bühnengitarrenwerkstatt Isolierbänder, welche er zum Spielen um die Finger wickelt, oder Schnüre, Fingerkappen oder Ähnliches mehr. Für nahezu jedes Stück, das er zu spielen gedenkt, baut er seine Performanceinstrumentarien mit den entsprechenden fachkundigen Erläuterungen eines einfachen Arbeiters vor den Augen des Publikums zusammen – und legt dann, in der Regel lediglich begleitet durch einen Drummer, los, wie es ehrlicher, erdiger, ja, eigentlich dreckiger und bluesiger nicht sein könnte. Steve ist heute eine große Nummer und man erkennt, dass er jede Minute seiner Auftritte auslebt und genießt. Er ist am Ziel angekommen.

Sein Weg war ein langer. Ein sehr langer. Er ist ein Man From Another Time, wie ein Album von ihm heißt, aber er ist im Jetzt angekommen. Und: Er hat es geschafft.

Sein Name: Steve Seasick.

(hier ein Link zu einem Auftritt von Steve Seasick; besonderes Highlight nach meiner Meinung ab der 10. Minute!)