Der White-House-Bench – Warum ein Benchmark gefährlich ist

Wenn Trump aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt und damit ein Böser ist, dann sind alle anderen, die darin verbleiben, per se Gute. Das heißt: Alleine die geäußerte Absicht, vielleicht irgendwann einmal irgendwas mit Klima unterschreiben zu wollen wird geradezu eine Heldentat. Aber so toll ist das ja dann doch nicht. Was soll das für ein Benchmark sein?

 

I, benchmark

Über viele Jahre hinweg durfte ich ein Benchmark sein. Sicher habe ich damit so einigen jungen Menschen helfen können. Das ist schon einige Jahre her, denn das war in der Schule. Ich habe dort Maßstäbe gesetzt. Wörtlich übersetzt heißt Benchmark ja erst einmal nichts anderes als Maßstab. Und das war ich in unserer Klasse. Nicht, dass ich das gewollt hätte, aber das hat sich einfach so ergeben. Und so konnte man sich an mir orientieren. Genau gesagt war ich immer eine sichere Bank; was ja auch eine wörtliche Übersetzung von Bench aus dem Englischen ist. Ich war eine sichere Bank nach hinten. Denn bei der Herausgabe von Schulaufgaben oder Stegreifaufgaben – ich war stets souverän die Nachhut im Wettbewerb der Noten. Somit konnte der eine oder andere Mitschüler mit einer Vier doch sehr zufrieden sein im Angesicht meiner vor mir liegenden Fünf. Diejenigen mit einer Drei konnten sich durch den Abgleich mit mir sogar eher den Einser-Schülern zugehörig fühlen.

Diese Aufgabe habe ich bis zum Abitur sehr sorgfältig erfüllt. Wie gesagt: Das wollte ich nicht. Das hat sich einfach so ergeben.

Benchmarking wird in der Regel aber nicht danach betrieben, sich vom Schlechtesten wegzubewegen, sondern viel mehr sich den Besten anzunähern.

  

Benchmarking und Innovation

Innovation und Benchmark passen deswegen auch nicht so richtig zusammen. Denn ein Benchmark legt vor; auf der Positivskala. Und andere messen sich daran in einer Art oder in einem direkten Wettbewerb. Das heißt also: Wenn ich im Rahmen einer Dienstleistung, eines Produkts oder eines Prozesses versuche, die beispielhafte Leistung eines Wettbewerbers zu erreichen, dann eifere ich nach. Ich verbessere mich mit großer Wahrscheinlichkeit, aber ich gehe den Weg des Wettbewerbers. Der Weg des Wettbewerbers ist aber bereits vorhanden und kann darum nicht mehr als innovativ bezeichnet werden. Noch nicht mal mehr als agil. Es handelt sich um eine Kopie; vielleicht um eine sehr gute, vielleicht sogar um eine bessere Kopie als das Original. Aber Kopie ist Kopie und keine Innovation. Darum schließen sich Benchmark und Innovation erstmal grundsätzlich aus.

 

White-House-Bench: Warum das neue White-House-Denken auch eine mittelbare Gefahr darstellt

Was derzeit im Weißen Haus in den USA passiert, das bedarf sicher keiner sonderlich klugen Interpretation. Das ist schlichtweg gefährlich, denn das Darüber-Schmunzeln oder Lachen dürfte bereits allen vergangen sein.

Jedoch hat Trumps weißes Irrenhaus noch einen weiteren nicht weniger gefährlichen Aspekt. Dieser hat nicht zuletzt mit meinen Schulnoten einen übertragenen Sinn gemeinsam: den Benchmark nach unten. Da Trump und seine wildgewordene und dauernd wechselnde Regierungsmannschaft in einer atemberaubend hoher Frequenz neue Maßstäbe nach unten setzen, scheint das Ökosystem rings um ihn herum plötzlich ein besseres zu werden. Wohlgemerkt: Scheint!! Schaut man Kalkofes „SchleFaZ“, dann scheint auch jeder andere Film ein Meisterwerk zu sein. Scheint! Aber Kalkofe ist Komiker!

Wenn Trump aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt und damit ein Böser ist, dann sind alle anderen, die darin verbleiben, per se Gute. Das heißt: Alleine die geäußerte Absicht, vielleicht irgendwann einmal irgendwas mit Klima unterschreiben zu wollen wird eine Heldentat. Aber so toll ist das ja nun auch wieder nicht. Denn die Niveau-Latte liegt da wirklich schon sehr niedrig.

 

Wettbewerbsanalyse ja – und dann gemeinschaftliches Benchmarking?

Also: Es ist natürlich sehr sinnvoll, sich dem Wettbewerb zu stellen. Um dies tun zu können, muss jedes Unternehmen die Augen offen halten, den Markt beobachten und die besten Schlüsse für sich daraus ziehen.

Ein zu ziehender Schluss wäre zum Beispiel, dass man sich mit den Wettbewerbern einfach zusammenschließt. Nehmen wir mal an, die größten Player der deutschen Automobilbranche würden das tun. Nur einfach mal angenommen. Dann bräuchte es kein Benchmarking mehr. Man würde den Benchmark gemeinsam beschließen und sich an diesem gemeinsam ausrichten. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig: Fertig. Das hieße, dass der Wettbewerb, aber damit auch die wettbewerbsgetriebene Innovationsnotwendigkeit nicht mehr gegeben wäre. Wozu auch?

Schließen wir daraus – und das ist nicht neu – dass ohne Wettbewerb nur in kleinstem Maße oder eben gar keine Innovation mehr betrieben wird.

Und erinnern wir uns an oben: Orientiert man sich im Wettbewerb nach unten, dann ist Innovation ebenfalls einigermaßen überflüssig. Man gewinnt ja ohne das eigene Zutun.

 

Schlimmer geht immer – Benchmarking nach ganz unten

Apropos Gewinnen ohne eigenes Zutun: Mittlerweile dürfte so mancher Schurkenstaat und deren Machthaber an Ansehen gewinnen, ohne dass diese auch nur ansatzweise ihr eigenes verwerfliches Verhalten ändern müssten. Seit wenigen Tagen gibt es einen neuen Kopf in Trumps Weißem Haus: Anthony Scaramucci. Er ist der neue Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses. Und er hat sofort begonnen, tiefe Löcher zu graben, um die Niveau-Latte der Trump-Riege noch um einiges tiefer legen zu können als es überhaupt jemals möglich schien. Aber auch das ist wohl eine konkrete Auswirkung in einem Land, das sich gerne das der unbegrenzten Möglichkeiten nennt. Möglichkeiten gibt es eben immer in alle Richtungen.

Ich, das gebe ich zu, hätte das, was man die letzte Woche lesen musste, nicht für möglich gehalten. Und, werter Leser, sehen Sie es mir nach, dass ich Scaramucci nicht zitiere.