Nun aber mal langsam: Warum Nachdenken hilft! Eine Empörung

Über 5,2 Millionen unterernährte Kinder könnten davon ein ganzes Jahr lang ernährt werden! Unfassbar! Soweit zur Empörung, gespeist aus jeder Menge Emotion. Beginnt man jedoch mit dem Nachdenken, dann stellt man vielleicht eine andere Rechnung an.

 

Das Neymar-Problem: Nachdenken, was man mit 222 Mio Euro nicht alles machen könnte

Der berühmte Fußballpsychologe Andreas Möller meinte einmal so schön: „Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.“ Sowohl der erste, als auch der zweite Teil dieses Satzes scheint mir gegenwärtig bei vielen von uns nicht zuzutreffen. Was ist das Problem?

Da zahlt also Paris St.-Germain 222 Millionen Euro für den Fußballer Neymar, damit dieser vom FC Barcelona zum eigenen Verein kommen möge. Neymar entschließt sich genau das zu tun. Und das empört nun einige Fußballfans; aber noch viel mehr diejenigen, die mit Fußball nichts zu tun haben. Oder sagen wir so: die, die mit Fußball gerade so viel zu tun haben, dass sie von dieser unsäglichen Transaktion erfahren haben. Das reicht auch völlig für die Empörung: 222 Millionen Euro für zwei Beine, das ist viel zu viel! Da sind sich fast alle einig! Deswegen beginnen wir nachzudenken und zu vergleichen und die Empörung wird noch viel größer. Was man mit 222 Millionen nicht alles viel Besseres machen könnte, als einfach nur einen fußballspielenden Menschen einzukaufen.

Wäre es da nicht viel besser, man würde das Geld nehmen und was anderes damit machen? Natürlich wäre es das! Jetzt werden Vergleichsrechnungen aufgestellt, die aufzeigen, wie viel Geld eine komplette Fußballliga als Budget zur Verfügung hat. Und dann werden die 222 Neymar-Millionen dagegengestellt. Das wirkt natürlich hochempörend. Als Nächstes werden all die hungernden Kinder auf dieser Welt zusammengerechnet. Dann werden die 222-Neymar-Millionnen gegenüber- und anschließend festgestellt: Man könnte so viele Kinder auf dieser Erde damit ernähren. So unfassbar viele Kinder. Jetzt ist aber die Empörung endgültig nicht mehr zu übertreffen: Über 5,2 Millionen unterernährte Kinder könnten davon ein ganzes Jahr lang ernährt werden! Unfassbar!

Soweit zur Empörung, gespeist aus jeder Menge Emotion. Beginnt man jedoch mit dem Nachdenken, dann stellt man vielleicht folgende Rechnung auf:

Wenn ich mit 222 Millionen Euro, die ich natürlich nicht habe,

5,2 Millionen Kinder auf der Erde ernähren kann, die es tatsächlich gibt,

dann heißt das doch auch, dass ich für ein einziges unterernährtes Kind, von denen es viele gibt,

genau 42,70 € brauchen würde, um dieses ein Jahr lang ernähren zu können. Oder?

Wer von den Empörten kann nun von sich behaupten, dass er keine 42,70 € im Jahr, also 3,56 € im Monat, aufbringen kann, um ein hungerndes Kind zu ernähren? Wenn mir also die unterernährten Kinder dieser Welt so wichtig sind, dann helfe ich! Dazu braucht man keine 222 Millionen! Denn wenn man mit dem Nachdenken beginnt, dann wird die Empörung vielleicht kleiner, dafür aber das Maß der Selbstreflexion größer.

Was kann man persönlich daraus lernen? Statt sich zu empören, sollte man einfach nur mal schauen, was man selbst tun kann. Und das ist meist eine ganze Menge!

Was können Unternehmen daraus lernen? Auch in Unternehmen wird sich viel empört! Statt sich über Vorgesetzte, Kollegen, Kunden oder über ganze Märkte aufzuregen: Nachdenken, was man in der gegenwärtigen Situation am besten tun kann und das dann einfach tun: Das hilft!

 

Das Diesel-Problem: Nachdenken, was dem Diesel alles in die Schuhe geschoben werden kann

Wir sind uns, so glaube ich, alle einig darüber, dass der Diesel an sich schuld ist. Und zwar mittlerweile an allem.

Einige Autokonzerne haben es sich auf die Fahnen geschrieben, „einigermaßen“ saubere Autos zu produzieren. Sauber ist dabei natürlich relativ zu sehen. Ganz sauber wäre die Innovation schlechthin! Aber ganz so viel Innovation muss es ja auch nicht sein. „Einigermaßen“ sauber ist auch schon gut; zumindest dann, wenn es um Diesel-Autos geht.

Nun hat sich aber im Laufe der Zeit herausgestellt, dass die Diesel-Autos doch nicht so einigermaßen sauber sind. Also das Diesel-Sein stellte sich anders dar, als erwartet. Und an dieser Stelle kann man sogar philosophisch werden. Denn nimmt man die Rousseau´sche Erkenntnis, dass der Schein wichtiger ist als das Sein, dann ergeben sich daraus nicht zwingend gute, aber jede Menge andere Möglichkeiten. Software-Möglichkeiten zum Beispiel. Den Rest der Geschichte kennen Sie ja.

Der Software-Schwindel flog auf. Sich darüber zu empören ist gut! Denn es war und ist glatter Betrug; darüber gibt es nichts zu diskutieren. Aber die Nebendiskussion, die bald zur Hauptdiskussion wurde und noch immer ist: Der Diesel ist die Katastrophe! Und die Empörung wird weg vom Betrug hin zum Diesel kanalisiert und da ist sie nun. Der Diesel muss weg! Benzin ist toll! Jeder Energieträger ist toll! Aber Diesel? Nein, danke! Ab bald nicht mehr in unseren Städten! Ab bald überhaupt kein Diesel mehr in dieser Welt. Also zumindest nicht mehr in Deutschland … und da wird es dann wieder sehr absurd.

Denn genau an dieser Stelle hilft wiederum das Nachdenken: Denken wir an Trump und den Ausstieg seines Landes aus dem Pariser Klimaabkommen.  (Siehe hierzu auch Blog-Artikel: Der White-House-Bench). Denken wir an die unzähligen Kohlekraftwerke. Denken wir an … Sie, werter Leser, können hier gerne selbst ergänzen.

Auch hier hilft wieder das Nachdenken. Natürlich ist der Diesel keine saubere Angelegenheit. Schon gar keine, die man durch ein Software-Update beheben kann. Hier ist auch wieder Empörung – mit Recht! – angebracht. Aber trotzdem löst der Diesel doch nicht unser Gesamtproblem was unsere Umwelt betrifft. Wie viele fahren mit dem Auto oder fliegen gar, obwohl es ein Leichtes wäre mit der Bahn zu fahren?

Was kann man persönlich daraus lernen? Siehe auch schon oben! Ich muss durch Nachdenken erkennen können, welche Gesamtzusammenhänge es gibt. Wenn ich mich um ein einziges Problem im großen Ganzen kümmere, dann drehe ich einfach nur ein kleines Rad – und tue aber so, als hätte ich die Lösung für ein empörendes Problem. Habe ich aber nicht!

Was kann ein Unternehmen daraus lernen? Auch in Unternehmen tauchen empörende Probleme auf, die es sofort zu beheben gilt: Zum Beispiel ein Mitarbeiter bringt nicht mehr die erwartete Leistung; eine Abmahnung mit darauffolgender Kündigung ist eine Behebung. Besser ist es jedoch, mit Nachdenken dahinter zu kommen, was das große Problem dahinter ist. Und das liegt dann vielleicht nicht am Mitarbeiter.

 

Das Tesla-Problem: Nachdenken, warum eMobilität vielleicht doch nicht so ganz ohne ist

Bleiben wir beim Diesel: Dreckig. Schmutzig. Vergiftend. Dagegen Elektromobilität: Sauber. Clean. Geradezu steril! Paradiesische Zustände versprechen die Elektroautos!

Fast alle sind sich darüber einig und davon völlig begeistert, dass die Elektromobilität bei Autos die Zukunft ist – weil diese keinerlei Einfluss auf die Umwelt hat. Zu haben scheint. Irgendwie. Vielleicht.

Aber ist dem wirklich so? Mitnichten! Werter Leser, werfen Sie dazu vielleicht einen Blick in den letzten Abschnitt des Blog-Artikels Vuka Vuka 17. Schnell wird sich herausstellen, dass hier etwas förmlich glorifiziert wird, wofür es derzeit noch nicht so viele Gründe gibt. Denn so sauber ist das Elektroauto nicht. Betrachtet man das Auto nur ab dem Zeitpunkt des Kaufs bis hin zum Verkauf und lässt zusätzlich unberücksichtigt, woher der Strom in mein Elektroauto kommt – dann kann man mit ruhigem Gewissen von sich selbst ob der eigenen Umweltleistung begeistert sein. Tut man das nicht, dann ist Empörung angesagt! Die Umweltbilanz eines Elektroautos scheint eine hervorragende zu sein. Das Sein sieht etwas anders aus.

Was kann man persönlich daraus lernen? Ich darf nicht einfach so auf einen vorbeifahrenden Jubelzug aufspringen, weil das alle machen und es deswegen so scheint, als sei dies das Richtige. Durch Nachdenken kann ich auch hinter die Kulissen schauen und vielleicht erkennen, dass der Sprung auf den Jubelzug falsch oder zumindest noch zu früh war.

Was kann ein Unternehmen daraus lernen? Es ist ungeschickt, jedem Trend hinterherzulaufen, bloß weil der Wettbewerber das auch macht. Aber ich muss sehr wohl darüber nachdenken, was der Trend mit dem Markt und damit mit dem eigenen Unternehmen macht. Und daraus sollte dann ein sinnvolles Handeln entstehen. Und sinnvoll ist es nicht, blind so zu handeln, wie die Massen über Socialmedia-Kanäle oder die Massen-Medien es propagieren.

Also, lassen Sie uns einfach immer wieder durch Nachdenken den Boden der Tatsachen suchen und vor allem finden. Denn wie wir durch den Medien-Analytiker Bruno Labbadia wissen: „Das wird von den Medien alles hochsterilisiert!“ So sieht´s aus!