Prima Klima – Ansichtssache

„Deutschland gibt jedoch Gas in Sachen Klimaschutz! Das ist sicher zweideutig zu verstehen, aber die Fakten sprechen für sich. Klima wird groß geschrieben in Deutschland. Vor allem geschrieben.“

 

Seit damals: Klima ist wichtig!

Es ist heiß. Jetzt, wo die ersten Schneeflocken in Deutschland und Österreich fallen, ist der Gedanke zwar etwas abwegig, aber es geht ja auch ums große Ganze. Und im Großen und vor allem im Ganzen ist es und es wird noch weiter: heiß. Zu heiß.

Im nicht zuletzt durch Donald Trump so richtig bekannt gewordenen Pariser Klimaschutzabkommen wurde 2015 vereinbart, dass man bis 2050 die Klima-Erwärmung auf zwei Grad begrenzen wolle. Wolle! US-Präsident Donald Trump ist selbst das Wollen schon zu viel und steigt als „America first“ aus. Dagegen meinen Wissenschaftler, also diejenigen, die von Donald Trump in wirklich jeder Hinsicht sehr weit entfernt sind, dass zwei Grad zu viel sind. Viel zu viel. Man müsste sich auf 1,5 Grad beschränken. Der Ausgangspunkt ist dabei das vorindustrielle Niveau.

 

Seit heute: Klima ist wichtig!

Das ist nicht neu. Neu wird gegenwärtig aber, also im November 2017, in Bonn in einer Mammut-Konferenz in Sachen Klima Resümee gezogen: im Rahmen der UN-Weltklimakonferenz 2017. Und da bleibt nun festzustellen, dass die Temperatur bereits heute, also noch weit entfernt von 2050, bereits um ein Grad gestiegen ist. Wir Deutsche dürfen uns dabei als Klimaexperten auf die Schulter klopfen. Wir haben es geschafft, unsere kompletten CO2-Emissionen für das Jahr 2017 bereits zu verbrauchen – und zwar in den ersten drei Monaten des Jahres! Es bleibt aber festzuhalten, dass wir selbstverständlich im Klimaschutzabkommen verbleiben – im Gegensatz zu Amerika! Das heißt: Wir wollen weiterhin. Es ist uns eben nicht gelungen. Aber wollen wollen wir weiterhin. Auch viele andere Industriestaaten wollen weiterhin.

 

Ab morgen: Klima ist wichtig!

Deutschland gibt jedoch Gas in Sachen Klimaschutz! Das ist sicher zweideutig zu verstehen, aber die Fakten sprechen für sich. Wir werden aber in der Tat besser! Das ist wissenschaftlich prognostiziert. Wir werden in Zukunft natürlich auch weiterhin die uns selbst auferlegte maximale CO2-Jahresmenge verbrauchen. Aber nicht mehr auf drei Monate. Die Studie sagt voraus, dass wir in Zukunft vier Monate dafür brauchen werden. Das ist unbestritten besser als drei Monate. Für ein sich im Sessel nun Zurücklehnen reicht das allemal nicht. Und zwar überhaupt nicht. Da ist noch nicht einmal ein Sessel. Genau gesagt noch nicht einmal ein Boden, auf dem ein Sessel stehen könnte.

Das alles bleibt nicht ohne Auswirkungen. In den letzten Jahren konnten wir dazu schon Einiges miterleben, was uns aus dem Sessel gehoben hätte, wenn wir denn auf einem gesessen wären: Dürren, Überflutungen, Stürme. Und es wird noch schlimmer, wie Prognosen von Versicherungskonzernen aufzeigen (siehe hierzu: Risikolandkarte 2017). Es bleibt zu erwarten, dass uns als mögliche Sesselbesitzer, dieser immer öfter weggeschwemmt oder weggeweht wird. Insofern ist es schon mehr als überdenkenswert, aus dem vielen Wollen einfach mal ein Machen zu machen.

 

Ab morgen: Klima-Innovationen

Sich dabei auf andere Nationen zu stürzen, um in Abgrenzung zu diesen besser auszusehen, ist ein Lehrstück aus Absurdistan. Deutschland, und damit wir alle, aber auch alle anderen Industrienationen müssen weitermachen. Natürlich wurde in vielen Bereichen schon sehr viel erwirkt. Zum Beispiel sind die Abgaswerte von Autos in den letzten Jahren permanent reduziert worden. Das ist unbestritten gut. Das Problem ist nur, dass durch die ständig steigende Anzahl von Autos die Reduktion wieder mehr als „kompensiert“ wurde.

Was also tun? Es gibt zwei Wege: Innovation und Vermeidung.

Wir müssen erstens verstärkt investieren in Innovationen, die den Umgang mit Energie betreffen: Beschaffung, Speicherung, Verbrauch, Rückgewinnung. Es sind hier noch bei Weitem nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Denn es geht vorrangig nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern um die Art und Weise, wie wir in Zukunft auf unserem Planeten leben wollen … und können. Dafür gilt es neue Möglichkeiten zu suchen und finden. Innovationen können kaum sinnvoller sein, wenn sie sich mit diesen Themen beschäftigen.

Und wir müssen zweitens lernen, mit Energie effizient umzugehen; also Energieverbrauch vermeiden. Wie man das macht? Dafür gibt es zum Beispiel für Unternehmen einige Handlungsanleitungen, die zum Teil auch noch richtig Geld fließen lassen. Und das mit Recht. Wer als Unternehmen sich zum Beispiel mit den Regelwerken ISO 14001 oder ISO 50001 und den dazugehörigen Leitfäden beschäftigt und diese konsequent umsetzt, wird nicht nur sehr viel für unser Klima, sondern vor allem auch einiges für die eigene Bilanz machen. Dabei ist stets im Blick zu behalten, dass unser Klima ein riesiger Dampfer ist, der sich so richtig schnell nicht beeinflussen lässt. Insofern Sessel hin, Sessel her: Die Zeit drängt gewaltig. Das wissen auch die Teilnehmer der Weltklimakonferenz in Bonn. Hoffentlich zumindest die.

(Dieser Blog-Artikel entstand aus dem Artikel von Axel Dick et al: Klima – Die normative Kraft des Faktischen, Quality Austria)