ISO 9001:2015 – Ein Fest

Für die einen Gräuel, für die anderen notwendige Pflicht und für nochmals andere, aber das sind realistisch betrachtet wirklich die Allerwenigsten: ein Fest. Und genau deswegen wird sich nun für die meisten die Frage aufdrängen: Wie in aller Welt kann ISO 9001 ein Fest sein?

Aus aktuellem Anlass: Die bekannte Erfolgsnorm für Managementsysteme schlechthin, ISO 9001, geht in die nächste Runde. Letzte Woche ist die neue Version, eben die 2015er Ausgabe, erschienen. Zunächst in Englisch; ab Oktober dann auch in Deutsch. Das heißt, dass in den nächsten Jahren wieder Einiges an Umbau in den etablierten Managementsystemen erforderlich sein wird. Oder vielleicht doch nicht?

Es kommt darauf an.

Die neue Ausgabe ISO 9001 überrascht diesmal, denn sie ist auf der einen Seite viel näher an der unternehmerischen Praxis: Sie ist nun vielmehr auch an den Ergebnissen der Organisation interessiert! Bisher standen die Prozesse, also das Wie im Vordergrund. Das ist weiterhin der Fall, aber nun haben wir eben auch das Was im Fokus. Und dann sind plötzlich nicht mehr nur die Kundenwünsche und Kundenerwartungen und die Erfüllung dieser anzustreben, sondern auch die Wünsche und Erwartungen aller, die ein berechtigtes Interesse an der Organisation haben. Und das sind weit mehr als nur Kunden. Das heißt: Organisationen und Unternehmen, und allen voran – das ist die zweite Seite: die Führungskräfte – sind nun angehalten, sich viel weitreichendere Gedanken zu machen als bisher. Und sie werden nach ISO 9001:2015 dazu auch verpflichtet.

Es gibt nicht mehr den einen Qualitätsbeauftragten, der für alles zuständig ist, was mit dem Buchstaben Q beginnt. Das wäre er auch nach ISO 9001:2008, also nach der Vorgängerversion, schon nicht gewesen. Da es aber einen solchen gemäß ISO 9001:2008 geben musste und man deswegen auch einen solchen hatte, darum durfte der sich oftmals auch gleich um all das kümmern, was irgendwie mit Qualität zu tun hatte und hat. Aber Qualität, ebenso wie Innovation oder Management von Wissen, hat nicht nur immer etwas, sondern viel mehr alles mit der gesamten Organisation zu tun: Qualität, Innovation und Wissen sind immer Gemeinschaftsaufgaben.

Fußballmannschaften sind nicht deswegen erfolgreich, weil sie jemanden haben, der Tore schießt. Das ist notwendig, keine Frage, aber Mittelfeld, Abwehr und Torwart sind ebenso notwendig für den Erfolg. Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Und wenn etwas Gemeinschaftsaufgabe ist, dann ist allen voran eben die Führung gefordert: Geldgeber, Trainer, Kapitän und Spielmacher. Das genau fordert nun auch ISO 9001:2015! Dieser eine Qualitätsbeauftragte wird nicht mehr explizit gefordert – allerdings auch nicht verboten! -, sondern die Führung hat in vielerlei Hinsicht Rechenschaftspflicht. Und das ist richtig gut! Denn der Fisch … naja, vielzitiert und trotzdem richtig…

Und dann gibt es sogar noch eine dritte Seite: Plötzlich ist die Organisation auch gefordert, sich über Chancen Gedanken zu machen. Das gab es noch nie! Bisher musste dafür gesorgt werden, dass Prozesse nach allen Seiten abgesichert wurden: Es musste vorgebeugt, Eventualitäten mussten berücksichtigt, alles musste so organisiert werden, dass nichts schiefgehen konnte. Das ist natürlich weiterhin so. Aber die Organisation hat sich nun nicht nur über die vielfältigen Risiken, sondern eben auch über Chancen Gedanken zu machen. Was ist alles möglich? Und da wird es doch nun richtig spannend! Nun sind auch Konter erlaubt! ISO 9001:2015 drängt Organisationen auch in die Offensive! ISO 9001:2015 ist nicht mehr nur darauf aus, zu Null zu spielen, sondern sie liefert eine Art Management-Masterplan, um zu gewinnen. Und in der Praxis geht es ja irgendwie immer ums Gewinnen. Und was machen Gewinner? Sie feiern ein Fest. Na also, sag ich doch!